Ausbildungsvertrag: Was tun bei Verstößen?


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Jeder Ausbildung liegt ein Ausbildungsvertrag zugrunde, der beide Parteien (d.h. Auszubildenden und Ausbildungsbetrieb) dazu verpflichtet, sich an die im Ausbildungsvertrag festgelegten Regeln und Bestimmungen zu halten. Zu diesen Regeln gehören auch gesetzliche Bestimmungen, wie sie z.B. im allgemeinen Arbeitsrecht oder im Berufsbildungsgesetz verankert sind. Gravierende Verstöße gegen den Ausbildungsvertrag können schwerwiegende Folgen haben. Im schlimmsten Fall droht der Rausschmiss.

Ein Auszubildender verfügt über Rechte und Pflichten, die im Ausbildungsvertrag verbrieft werden. Doch was, wenn es zu einem regelmäßigen Verstoß seiner Rechte kommt?

Wenn Azubis innerhalb ihrer Ausbildung regelmäßig Rechtsverletzungen ausgesetzt sind, dann kann und sollte sich der Auszubildende dagegen wehren. Zu diesen Rechtsverletzungen gehören z.B. Gewalt, Beleidigung, sexuelle Belästigung oder die Verweigerung der Lohnzahlungen. Darüber hinaus sind Azubis nicht dazu verpflichtet, Arbeiten auszuführen, die ihre Gesundheit gefährden. Gefährdet die von ihnen abverlangte Arbeit die körperliche Versehrtheit des Auszubildenden, hat dieser das Recht die Arbeit zu verweigern.

Was tun bei einem Verstoß?

Liegt ein grundlegender Verstoß gegen die Jugendschutzbestimmungen oder anderer Rechte innerhalb des Ausbildungsvertrages vor, sollte der Auszubildende immer erst das Gespräch mit seinem Ausbildungsbetrieb suchen. Möglicherweise lässt sich in einem offen Gespräch die Sachlage ohne weiteres klären. Helfen kann auch ein Gespräch mit Kollegen und Lehrern aus der Berufsschule, die durch ihre Erfahrung unterstützende Schützenhilfe leisten können. Schlägt der Versuch einer einvernehmlichen Lösung fehl, so ist dem Auszubildenden als letzter Schritt zu raten, die Beratung der jeweiligen Berufskammer aufzusuchen. Diese bieten regelmäßig Beratungsgespräche für Auszubildende an und können flankierende Hilfe für das weitere Vorgehen anbieten.

Verstöße seitens des Auszubildenden

Wenn umgekehrt der Azubi mehrfach gegen den Ausbildungsvertrag verstößt, dann ist der Arbeitgeber zunächst angehalten, eine Ermahnung auszusprechen. Ändert der Auszubildende trotz mehrfacher Ermahnung bzw. Abmahnung sein vertragsbrüchiges Verhalten nicht, darf der Ausbildungsbetrieb dem Auszubildenden kündigen. Zwar gilt für Auszubildende ein besonderer Kündigungsschutz, wird eine Abmahnung ausgesprochen, müssen sich Azubis dennoch warm anziehen. Verstöße dieser Art können etwa ständiges Zuspätkommen oder Desinteresse an der Erledigung der Arbeit im Betrieb sein. Solche Abmahnungen werden zum Glück nur in den aller wenigsten Fällen innerhalb der Ausbildung ausgesprochen. Jeder Auszubildende sollte dies im eigenen Interesse zu vermeiden wissen, hängt die berufliche Zukunft des Auszubildenden doch von dem Erfolg der Ausbildung ab. Und: "Lehrjahre sind keine Herrenjahre".

Letzter Schritt: Kündigung

Sind die Verstöße gegen den Ausbildungsvertrag gravierend, kann eine der Parteien die Kündigung aussprechen. Dieser Schritt sollte jedoch immer als letzter Ausweg betrachtet werden. Sowohl Auszubildender als auch Ausbilder tun gut daran, vorher alle anderen Mittel einzusetzen, um eine einvernehmliche Lösung herbeizuführen. Spricht der Auszubildende die Kündigung des Ausbildungsvertrages aus, sollte sich dieser um einen alternativen Betrieb zur Fortsetzung seiner Ausbildung kümmern. Dann ist der Ausbildungsabbruch im Betrieb zwar unschön, aber auch kein Beinbruch, wenn sich die Ausbildung in einem anderen Betrieb weiterführen lässt. Hat hingegen der Ausbilder die Kündigung ausgesprochen, dürfte es mit der Suche nach einem alternativen Betrieb schwierig werden. Im Ernstfall sollte sich der Auszubildende daher um eine einvernehmliche Kündigung bemühen. Das erhöht die Chancen auf einen alternativen Ausbildungsplatz. Grundsätzlich gilt: steht der Auszubildende kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung, ist eine Kündigung des Ausbildungsvertrages nur in seltenen Ausnahmefällen möglich.

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