Ausbildungsabbruch


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Was tun, wenn sich die Probleme häufen und man immer unzufriedener während der Ausbildung wird? Wo kann man sich Hilfe holen und wann ist es an der Zeit, aufzugeben?

2012 wurde fast jeder vierte Ausbildungsvertrag wieder gelöst (24,4%). Der Abbruch eines Ausbildungsverhältnisses geht Hand in Hand mit Stress, finanziellen Verlusten und Enttäuschungen – auf beiden Seiten. Was also ist der richtige Weg? Der erste Schritt für Auszubildende, die an ihrer Ausbildung zweifeln, sollte immer sein, das Gespräch zu suchen. Es gibt viele Ansprechpartner, die in solchen Fällen zur Verfügung stehen und wirkliche Hilfestellungen geben. Hierzu zählen nicht nur Ausbilder und Lehrer, sondern auch Gewerkschaften, die Agentur für Arbeit und Ansprechpartner der zuständigen Handwerks- oder Handelskammer. Außerdem ist es absolut wichtig, nicht überstürzt zu handeln, sondern einen Plan B vor Augen zu haben. Die Aufgabe der Ausbildung ist ein sehr großer Schritt, der finanzielle wie berufliche Nachteile mit sich bringen kann. Eine Kündigung sollte immer der letzte Schritt sein.

Probleme in der Berufsschule: Wer dem Schulstoff nur schwer folgen kann oder Stress mit Lehrern oder Klassenkameraden hat, sollte deswegen nicht gleich die ganze Ausbildung abbrechen. Für schlechte Noten gibt es die ausbildungsbegleitenden Hilfen (AbH) der Agentur für Arbeit, dabei handelt es sich um Hilfsprogramme, die den Auszubildenden kostenfrei in der Schule und im Betrieb unterstützen. Weitere Informationen gibt es hier: So schaffst du deine Ausbildung

Bei zwischenmenschlichen Problemen sollte immer zuerst das Gespräch gesucht werden. Falls einer der Lehrer betroffen ist, sprich mit Mitschülern, anderen Lehrern oder dem Ausbilder. Falls Klassenkameraden mobben oder Probleme hervorrufen, sollten die Schulpädagogen zu Rate gezogen werden, notfalls kann ein Wechsel der Berufsschule erfolgen.

Zunächst sollte sich der Auszubildende klarmachen, welche Ursachen für die Probleme verantwortlich sind. Liegt es an falschen Erwartungen, die er zu Beginn der Ausbildung hatte oder mangelt es ihm vielleicht an Durchhaltevermögen? Je nach dem, ob die Probleme im Betrieb oder in dem Berufsbild liegt, bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten.


Probleme im Betrieb: 
Falls die Stimmung im Betrieb schlecht ist oder es Ärger mit den Kollegen oder dem Ausbilder gibt, sollte zunächst ebenfalls das Gespräch gesucht werden. Um dem Problem so professionell wie möglich zu begegnen, ist es ratsam, einen Gesprächstermin zu vereinbaren. So kann die Situation mit Abstand und ohne emotionale Aufladung besprochen werden und gemeinsam nach einer Lösung gesucht werden. Falls es Probleme bei der Umsetzung der Ausbildungsinhalte gibt, lohnt es sich, sich an die zuständige Handelskammer zu wenden.

Diese kann einen Ausbildungsberater (auch als Ausbildungscoach bekannt) vermitteln, der sich dann den Problemen im Betrieb annehmen kann. Wenn nichts mehr hilft und die Probleme überhand nehmen, sollte ein Wechsel der Ausbildungsstätte in Betracht kommen. (Siehe:
Ausbildungswechsel) Die Suche nach einem neuen Ausbildungsunternehmen kann von den zuständigen Kammern unterstützt werden. Es ist überaus sinnvoll, solange im bisherigen Unternehmen zu bleiben, bis ein neuer Ausbildungsbetrieb gefunden wurde, da eine gegenwärtige Anstellung sich stets positiv auf das Bewerbungsverfahren auswirkt. Im Anschluss, wenn der neue Vertrag unterschieben ist, kann ein Aufhebungsvertrag geschlossen werden und dem Wechsel steht nichts mehr im Wege.

Probleme mit dem Beruf: 
Niemand ist davor geschützt, festzustellen, dass der gewählte Beruf nicht der Richtige ist. Wer sich absolut sicher ist, dass es nicht an den Umständen der Ausbildung liegt, sondern dass der ganze Beruf nicht dem entspricht, was man machen möchte, sollte offen mit dieser Erkenntnis umgehen. Auch gesundheitliche Gründe können zum Abbruch der Ausbildung führen, wenn es dem Auszubildenden nicht länger möglich ist, den Aufgaben des Berufs nachzukommen.

Es ist in dieser Situation wichtig, sich zu überlegen, was genau man erreichen will und wie man sich den zukünftigen Arbeitsalltag vorstellt. Möglicherweise ist der Beruf, dessen Ausbildung man gerade macht, gar nicht so weit von dem entfernt, was man sich vorstellt. Je nach dem, zu welchem Zeitpunkt der Ausbildung die Erkenntnis kommt, lohnt es sich vielleicht, die Ausbildung abzuschließen und dann mithilfe einer Umschulung den Wunschberuf zu erlernen. Für Karriereaussichten sollte unbedingt eine Beratung bei der Agentur für Arbeit erfolgen, hier kann man auch Informationen über Chancen und Kosten einer Umschulung erhalten.

Entscheidung getroffen, wie wird sie umgesetzt?: 
Sobald feststeht, dass die Probleme unlösbar sind und es keine Chance mehr auf ein gutes Ende der Ausbildung gibt, steht im nächsten Schritt die Durchführung des Abbruchs an. Wer so weit gekommen ist und sich sicher ist, den richtigen Weg zu gehen, sollte dennoch Einiges beachten. Falls es zu keinem Wechsel der Ausbildungsstätte kommt, so sollte der Azubi eine schriftliche Kündigung einreichen. Diese gilt mit einer Frist von vier Wochen und ist die einseitige Erklärung der Vertragsauflösung.

Sollte dieser Schritt gewählt werden, ist es notwendig, sowohl die zuständige Kammer (Handwerks- oder Handelskammer) zu informieren, als auch der Berufsschule Bescheid zu geben. Anschließend sollte umgehend die Familienkasse informiert werden, um ggf. entstehende Ansprüche (Kindergeld) geltend zu machen. Auch sollte der Auszubildende sich Arbeitsssuchend melden, um nach dem Ende des Vertrags Arbeitslosengeld beziehen zu können.

Des Weiteren hat der Auszubildende Anspruch auf verschiedene Dinge, so muss ihm nach der Kündigung die Vergütung bis zum Ende der Beschäftigung voll gezahlt werden, ebenso müssen Überstunden und Urlaubstage, die noch offen sind, ausgezahlt werden. Die Arbeitspapiere des Auszubildenden, wie beispielsweise die Lohnsteuerkarte, müssen ausgehändigt werden und der Auszubildende hat einen Anspruch auf ein anständiges Arbeitszeugnis (siehe:
Arbeitszeugnis).

Ausbildung abgebrochen – was nun?: 
Sind die finanziellen Aspekte des Abbruchs geregelt und alles mit dem ehemaligen Arbeitgeber geklärt, muss der Auszubildende entscheiden, wie es für ihn weitergeht. Es macht keinen guten Eindruck, den Kopf in den Sand zu stecken und nach dem Abbruch erstmal nichts zu tun. Die plötzlich gewonnene Freizeit sollte dringend zur Neuorientierung genutzt werden.

Abbrechern bieten sich viele Möglichkeiten, um das Beste aus ihrer Situation zu machen. Wer sich unschlüssig ist, was er überhaupt erreichen möchte, der sollte zunächst ein oder mehrere Praktika absolvieren, um sich ein besseres Bild vom Berufsalltag machen zu können. Alternativ können berufsvorbereitende Maßnahmen der Agentur für Arbeit besucht werden. Falls der Zeitpunkt gerade passend ist, hat der Abbrecher ebenfalls die Chance, einen höheren Schulabschluss nachzuholen oder ein Studium zu beginnen. Freiwillige soziale oder ökologische Jahre oder Auslandsaufenthalte im Rahmen von AuPair oder Ähnlichem, können ebenfalls eingeschoben werden, das Ziel sollte jedoch sein, im nächsten Anlauf einen neuen Ausbildungsplatz zu ergattern.

Man sollte bei allem, was man tut, stets im Hinterkopf behalten, dass man den Abbruch dem nächsten potentiellen Arbeitgeber erklären muss. Hat man die Zeit nach dem Abbruch also sinnvoll genutzt und wichtige Erkenntnisse erlangt, so steht der neuen Karriere kaum etwas im Wege.
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