Gender: typische Männer- und Frauenberufe


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Auch beim Thema Beruf gilt: Es lebe das Klischee! Doch wer glaubt, dass Frauen immer nur Berufe wählen, die mit Schreibtischarbeit, Kindern oder putzen zu tun haben, der irrt, selbst, wenn die Sekretärin und Grundschullehrerin als Klischee genauso in Köpfen der Menschen herumschwirrt wie der männliche Brummi-Fahrer und KFZ-Mechaniker. Doch für welche Berufe entscheiden sich die Geschlechter wirklich?

Es gibt sie, diese typischen Frauen- und Männerberufe. Neigen Männer eher dazu, in kaufmännischen oder handwerklichen Berufen tätig zu sein, finden sich die Frauen häufiger in kosmetischen oder medizinischen Pflegeberufen wieder. Um dieses Klischee aufzubrechen, gibt es inzwischen zahlreiche Projekte, die beide Geschlechter für die Berufe des anderen Geschlechts sensibilisieren sollen. Hierzu zählt der seit 2001 an Schulen durchgeführte 'Girls Day'/ "Boys Day", wo Jungen und Mädchen die Gelegenheit bekommen, in die Berufsfelder des jeweils anderen Geschlechts hineinzuschnuppern. Und die Entwicklung zeigt: Immer mehr Frauen und Männer zieht es in genderuntypische Berufe. Doch Klischees lassen sich nur schwer aus den Köpfen bringen.

Typisch Frau

Als typische Mädchenberufe gelten nach wie vor Berufe wie medizinische Fachangestellte, Bürokauffrau, Rechtsanwaltsgehilfin, Friseurin oder Erzieherin. Der Anteil von Frauen bei der Ausbildung in diesen Berufen entsprechend groß. Über 80 Prozent der Auszubildenden sind in diesen Berufen weiblich. Trotzdem gibt es in einigen Berufsfeldern eine leichte Zuwanderung männlicher Bewerber. Insbesondere im pädagogischen und erzieherischen Bereich sind männliche Bewerber inzwischen öfter gesehen. In vielen Berufsfeldern ist man sich mittlerweile der Nachteile einer einseitigen Geschlechterpräsenz bewusst. Insbesondere Kleinkinder sollten möglichst früh mit beiden Geschlechtern konfrontiert werden, was im häuslichen Rahmen durch die Scheidungsrate nicht immer gewährleistet ist. Warum die geschlechtsspezifische Durchmischung in vielen Berufen nur zögerlich voran schreitet, hat sicherlich mit den nach wie vor bestehenden Klischees zu tun. Insbesondere Männer müssen sich in ihrem Freundes- und Familienkreis immer noch dafür rechtfertigen, wenn sie in einen typisch weiblichen Berufen gewählt haben.

Typisch Mann

Männer arbeiten typischerweise in handwerklichen Berufen. Dazu zählen Berufe wie z.B. Dachdecker, KFZ-Mechaniker, Tiefbaufacharbeiter, Elektroniker oder Glaser. Meist werden diese Berufe an die körperliche Konstitution von Männern gebunden - demnach fällt es Männern leichter, körperlich zu arbeiten. In diesen Ausbildungsberufen liegt der Anteil der Männer entsprechend hoch bei 80 Prozent. Die Verankerung von Männern in handwerklichen Berufen ist historisch begründet. Dennoch strömen immer mehr Frauen in diese typische Männerberufe. Allerdings gibt es für diese immer noch viele Unsicherheiten, z.B. die Angst unter den männlichen Kollegen nicht anerkannt zu werden. Für viele Frauen ist es immer noch schwer, sich in den typisch männlichen Berufen zu schlagen. Diese Befürchtungen sind aber meist unbegründet, denn entgegen dem Klischee sind Frauen in Männerberufen meist sehr respektiert und anerkannt.

Aktionstag "Girls Day" / "Boys Day"

Um die Klischees rund um die Berufswahl von Männern und Frauen zu durchbrechen, wurde mit dem 'Girls bzw. Boys Day' ein Aktionstag ins Leben gerufen, der es Mädchen und Jungen ermöglicht, in die Berufe des anderen Geschlechts hineinzuschnuppern. An Schulen dient der Aktionstag dazu, eine geschlechtsübergreifende Berufsorientierung zu gewährleisten, die alt hergebrachte Klischees abzustreifen hilft. Sollte dies ursprünglich vor allem Mädchen betreffen, die am 'Girls Day' mit den männlichen technischen Berufen vertraut gemacht werden sollten, zog schnell der 'Boys Day' nach, um Jungen in Frauenberufe einzuführen. Ziel des Aktionstages ist es, Jungen und Mädchen die Berufswahl nach ihren Interessen und Neigungen und möglichst losgelöst von Klischees treffen zu lassen. Der Aktionstag ist ein wichtiges Signal, auch wenn die Entwicklung nur sehr zögerlich voran schreitet. Dies liegt unter Anderem daran, dass insbesondere Frauenberufe nach wie vor unterbezahlt sind; das macht sie für Männer unattraktiv. Und auch Frauen scheuen sich noch davor, in die typischen Männerberufe einzusteigen, da sie fürchten, von den männlichen Kollegen nicht ernst genommen zu werden.

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