Ist die private Internetnutzung am Arbeitsplatz erlaubt?


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Als Azubi bist du immer neu in einem Unternehmen. Klar, dass du da nicht gleich jedes „ungeschriebene Gesetz“ kennst. Doch weißt du eigentlich, ob es in deinem Ausbildungsbetrieb erlaubt ist, während der Arbeitszeit kurz im Internet zu surfen? Nein? Da bist du nicht alleine! Selbst langjährige Angestellte wissen häufig nicht, ob die private Internetnutzung am Arbeitsplatz gestattet ist oder nicht. Hier kannst du dich darüber informieren, welche Regeln es gibt und was du sonst noch unbedingt zum privaten Surfen während der Arbeitszeit wissen solltest. 

Arbeitsrecht: Folgende Gesetze gibt es zur privaten Internetnutzung am Arbeitsplatz 

Wenn du dich ein bisschen mit dem Deutschen Arbeitsrecht auseinandersetzt, wirst du schnell merken: Privates Surfen im Netz ist während der Arbeitszeit verboten! Aber: Bei Verstößen gegen dieses Gesetz drohen nur dann Konsequenzen, wenn dein Ausbildungsbetrieb dieses Verbot auch ausgesprochen hat. Im Arbeitsalltag sieht es aber häufig so aus, dass nur die wenigsten Unternehmen ein offizielles Verbot der privaten Internetnutzung aussprechen. Aus diesem Grund wirst du bestimmt schon mal beobachtet haben, dass der ein oder andere Kollege mal kurz auf einem sozialen Netzwerk vorbeischaut. Nichtsdestotrotz ist Vorsicht geboten. Denn auch wenn dieses Vorgehen in deiner Firma stillschweigend toleriert wird, heißt das längst nicht, dass alles erlaubt ist. 

Es gibt nämlich ganz klare Regelungen zu bestimmten Aktivitäten im Netz, die auf jeden Fall Konsequenzen mit sich bringen. Dazu zählt zum Beispiel das Aufrufen von Internetseiten mit pornographischem Inhalt. Auch das Downloaden privater Dateien auf den Betriebsrechner ist nicht gestattet. Ebenfalls tabu am Arbeitsplatz sind illegale Aktivitäten wie das Brennen von Raubkopien oder Ähnlichem. Wirst du bei einer dieser Aktivitäten erwischt, droht dir eine Abmahnung oder im schlimmsten Fall sogar eine Kündigung! 

Private Internetnutzung im Job - Wann droht eine Kündigung? 

Immer dann, wenn du eine grobe Pflichtverletzung deines Arbeits- oder Ausbildungsvertrages begehst, ist das ein Kündigungsgrund. Laut diesem Vertrag verpflichtest du dich dazu, während deiner Arbeitszeit Arbeitsleistungen zu erbringen. Wenn du also anstatt zu arbeiten deine Zeit in einem Online-Shop verbringst, könnte das bereits ein Kündigungsgrund sein. Das gleiche gilt natürlich dann, wenn du einer der zuvor genannten verbotenen Tätigkeiten im Internet nachgehst. In allen anderen Fällen gilt: Wenn es kein Verbot seitens des Unternehmens gibt, dann ist das private Surfen während der Arbeitszeit nur dann ein Kündigungsgrund, wenn deine Arbeit darunter leidet. 

Dies schützt dich allerdings nicht vor einer Abmahnung. Denn sollte dein Ausbilder oder dein Arbeitgeber nicht damit einverstanden sein, dass du kurz mal deine privaten Mails checkt, es aber kein offizielles Internetverbot gibt, dann kannst du trotzdem abgemahnt werden. Schließlich widmest du dich in dieser Zeit nicht dem Erreichen deines Ausbildungszieles und verletzt damit eine deine Azubi-Pflichten. Natürlich muss so etwas dann einheitlich gelten, also auch andere Mitarbeiter betreffen. 

Generell kann man sagen, dass das private Surfen während der Arbeitszeit nur sehr eingeschränkt erfolgen sollte. Wenn du also lediglich zwei bis drei mal am Tag für jeweils zwei Minuten deine privaten Mails kontrollierst, ist das noch kein Kündigungsgrund, da deine Arbeit nicht wirklich darunter leidet. Kommentierst du dagegen dreißig Minuten lang die Facebook-Fotos deines Freundes, dann kann man schon davon ausgehen, dass du deiner Arbeit nicht ordnungsgemäß nachkommst. In diesem Fall musst du also mit einer Abmahnung rechnen! 

Private Internetnutzung am Arbeitsplatz: Folgendes ist zu beachten 

So verlockend der Internetzugang am Betriebsrechner auch sein mag: Während der Ausbildung (und eigentlich auch später im Berufsleben) solltest du die Finger davon lassen. Gerade als Azubi hast du so viel zu lernen, dass du deine Zeit wirklich sinnvoller nutzen kannst. Dein Arbeitgeber darf deine Internetnutzung zwar aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht überwachen, doch kann dieser stichprobenartig Kontrollen durchführen, wenn der Verdacht besteht, dass einer seiner Mitarbeiter seiner Arbeit nicht nachkommt oder illegalen Aktivitäten im Netz nachgeht. 

Es ist aber nicht nur wichtig zu wissen, was man nicht darf, sondern auch zu wissen, was man darf. So gibt es zum Beispiel einige Ausnahmesituationen, in denen du das Internetverbot in deinem Unternehmen umgehen könntest. Zum Beispiel: Du musst Überstunden machen, wirst aber normalerweise immer von einer Mitfahrgelegenheit abgeholt. In so einem Fall dürftest du kurz eine private Email schreiben, um deiner Mitfahrgelegenheit Bescheid zu sagen, dass du nicht kommst. Arbeitsrechtler sprechen dann davon, dass das Interesse des Mitarbeiters in solchen Ausnahmesituationen dem Interesse des Unternehmens höher gewertet wird. Aber Achtung: Dies gilt wirklich nur in Ausnahmefällen! 

Wir empfehlen, sich während der Ausbildung auch wirklich nur mit Ausbildungsinhalten zu befassen. Dadurch gibst du dir selbst die Möglichkeit, richtig gut in deinem Job zu werden. Übung macht ja bekanntlich den Meister. Solltest du also während der Arbeitszeit Langeweile haben, dann schaue Kollegen über die Schulter, frage nach einer neuen Aufgabe oder schreibe an deinem Berichtsheft. Das Surfen im Internet kannst du dir schließlich auch für den Feierabend aufheben.