Was tun bei Stress und psychischen Belastungen während der Ausbildung?


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Jeder hat ab und zu mal Stress, das gehört leider zum Alltag eines im Berufsleben stehenden Menschen. In manchen Fällen können Stress und die daraus resultierenden Belastungen aber Überhand nehmen und sogar die Gesundheit des Gestressten gefährden. Wichtig ist, die Beschwerden richtig einzuordnen und frühzeitig angemessen zu reagieren.

Was ist Stress?

Stress ist zugleich eine Reaktion und ein Zustand, der sich durch eine hohe geistige und körperliche Belastung auszeichnet. Er ist oft mit dem Gefühl der Überforderung verbunden. Während der Arbeit kann er durch das Arbeitsumfeld, also Beleuchtung oder Lärm, die Arbeit als solche oder die Arbeitsorganisation hervorgerufen werden. Weitere Ursachen können zu hohe oder zu niedrige Anforderungen sein, Druck, fehlende Anerkennung, Unsicherheit über den Arbeitsplatzerhalt oder Mobbing, Gewalt und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Während die Ursache manchmal klar auf der Hand liegt, ist in anderen Fällen dem Leidenden oft nicht klar, was genau seinen Stress hervorruft. Auch sind die psychischen und physischen Voraussetzungen einer Person, sowie ihre Informationsaufnahmefähigkeit, entscheidend bei dem Empfinden von Stress

.Erste Anzeichen für Belastungen

Wer nach der Arbeit oft müde, lustlos oder angespannt ist, sollte sich fragen, ob diese Reaktionen stressbedingt sind. Auch abnehmende soziale Kontakte oder ständige Selbstzweifel sollten kritisch beäugt werden. Schlafstörungen, Energieverlust oder Bauchschmerzen können unter Umständen bereits die körperlichen Folgen von Stress sein und sind ernstzunehmende Warnsignale. Das einzelne Beschwerden hin und wieder auftreten, ist vollkommen normal und deutet nicht auf eine Krankheit hin. Sollten sich aber mehrere Anzeichen für Stressbelastungen einstellen und über einen längeren Zeitraum vorhanden sind, empfiehlt es sich, professionelle Hilfe beim Hausarzt zu holen. Dieser kann das Risiko medizinisch einschätzen und bei Bedarf an die passenden Fachärzte überweisen.

Folgen einer permanenten psychischen Belastung am Arbeitsplatz

Nicht nur der Betroffene leidet unter der Situation, auch für Arbeitgeber und Kollegen kann sich permanenter Stress einer Person negativ auswirken. Zum einen ist der Gestresste weniger leistungsfähig, was sich in steigenden Fehlerzahlen und schlechterer Qualität der Ergebnisse äußert.  Die Leistungsmotivation der anderen Arbeitnehmer wird durch den gestressten Kollegen geschwächt, insgesamt kann sich das Betriebsklima verschlechtern. Kommt es zum Äußersten, dem Arbeitsausfall der Betroffenen, liegt im Unternehmen ein Know-How-Verlust vor. All diese Faktoren bedeuten für den Arbeitgeber unter Umständen finanzielle Einbußen.
Für das Individuum kann die dauerhafte Belastung zu ernsthaften Schäden führen. Reaktionen sind sowohl körperlich, psychisch und sozial möglich. Verhaltensauffälligkeiten, Depression, Burnout, Suchtkrankheiten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nur einige Beispiele für stressbedingte Krankheiten.

Was tun bei Problemen?

Viele fragen sich, was nun die geeignete Strategie ist, um den Problemen zu begegnen. Als erstes sollte man sich unbedingt klarmachen, ob tatsächlich ein stressbedingte Reaktionen vorliegt oder ob es nur eine vorübergehende Situation ist, die kurzzeitig Symptome hervorruft. Falls die Beschwerden über einen längeren Zeitraum anhalten, ist es im zweiten Schritt wichtig, die Ursache herauszufinden. Es hilft leider nicht, sich zurückzuziehen und abzuwarten, sondern man muss sich den Problemen stellen. Idealerweise hält der Betroffene schriftlich fest, unter welchen Umständen der Stress besonders groß ist, wodurch genau er hervorgerufen wird und was sich ändern müsste, damit die Situation sich verbessert. Je konkreter die Antworten sind, desto besser kann man mit dem dritten Schritt beginnen, die Probleme zu verändern. Oftmals ist dies allein gar nicht mehr möglich, daher sollten Betroffene sich unbedingt Hilfe holen.

Neben dem Gang zum Arzt sind Gespräche mit Familie, Freunden und ggf. dem Betriebsrat oder der JAV (Jungend- und Auszubildendenvertretung) notwendig. Diese sollten vertraulich sein.

Gemeinsam mit dem Ausbilder kann man dann versuchen, eine Lösung zu finden. Oftmals reichen kleine Veränderungen, um eine große Verbesserung hervorzurufen. Der Ausbildungsrahmenplan dient als Orientierungshilfe, um mögliche Über- oder Unterforderungen aufzudecken. In diesem Fall sollten konkret die Aufgaben des Auszubildenden festgehalten und, falls nötig, neu bewertet werden. Ein Ausbau des Kommunikationsnetzes innerhalb des Betriebs kann helfen, um Unsicherheit oder mangelnde Anerkennung zu vertreiben. Gleichzeitig wird das Betriebsklima verbessert. Probleme mit dem Arbeitsumfeld, wie schlechte Beleuchtung oder Belüftung der Arbeitsräume, lassen sich mithilfe des Betriebsrates oder durch ein klärendes Gespräch beseitigen.

Bei schwerwiegenden Problemen wie Gewalt oder sexueller Belästigung, bleibt dem Betroffenen im Zweifelsfall nur die Versetzung in eine andere Abteilung oder der Wechsel des Ausbildungsbetriebs. Hierzu sollte man sich unbedingt bei der Handelskammer oder einer Gewerkschaft beraten lassen.

Und im Ernstfall?

Betroffene sind oft hin und her gerissen. Einerseits wollen sie ihre beruflichen Ziele nicht aus den Augen verlieren und sich selbst und ihr Umfeld nicht enttäuschen, oft werfen sie sich selbst Schwäche vor. Andererseits sollte die Gesundheit eines Menschen immer die oberste Priorität sein und daher nicht dauerhaften Belastungen ausgesetzt werden.

Erste Maßnahme, wenn wirklich nichts mehr geht, ist es, sich krank schreiben zu lassen. Jedoch löst die Krankschreibung nicht die Ursache der Probleme. Generell erhält ein Krankgeschriebener 6 Wochen lang den regulären Lohn, anschließend zahlt die Krankenkasse das geringere Krankengeld.

Der Arbeitgeber nutzt bei längerem Ausfall oft auch den medizinischen Dienst der Krankenkasse, um die Diagnose zu überprüfen. Hierbei erhält er keine Auskunft über die Krankheit, sondern lediglich über die Arbeitsfähigkeit des Erkrankten. Diese Maßnahme ist eine Routine und keine Schikane seitens des Arbeitgebers. Für die Zulassung zur Abschlussprüfungen gilt, dass eine Fehlzeit von etwa 10% der Ausbildungszeit nicht überschritten werden sollte. Im Einzelfall können Ausnahmen gemacht werden, jedoch sollte der Betroffene sich rechtzeitig bei der zuständigen Handelskammer informieren und möglicherweise eine Verlängerung der Ausbildungszeit beantragen.

Falls gar nichts mehr geht, sollte man in Betracht ziehen die Ausbildung zu pausieren. Dies ist eine seltene Maßnahme und erfordert einen Arzt, der das Vorhaben unterstützt, sowie Hilfe von der IHK und bestenfalls auch des Ausbilders. Wer über diesen Schritt nachdenkt, sollte sich auch bei der Gewerkschaft über die rechtlichen Aspekte informieren. Im Verlauf der Pause hat man Zeit, um sich zu erholen und über die weiteren Maßnahmen, wie einen Betriebswechsel, nachzudenken und Strategien gegen Stress für die Zukunft zu entwickeln.

Weitere Informationen auch für Arbeitgeber in diesem Flyer der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): http://tinyurl.com/baua-stress-im-betrieb
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